Frauen und das Rennrad

Früher war das Fahrradfahren mein absoluter Endgegner. Ich habe es tatsächlich gehasst, wenn ich mit meinem schweren Rad irgendwohin fahren musste oder eine Tour mit den Vereinskollegen anstand. Nach dem ich mich 2014/2015 allerdings mal auf ein Rennrad gewagt habe, ist der Sport mittlerweile zu einer absoluten Leidenschaft geworden.

Frau auf dem Rennrad

Rennradfahren habe ich damals ausschließlich mit den Männern auf der Tour de France im Fernsehen verbunden. Für mich war es auch immer der typische Männersport. Ich ging damals auf eine Sportschule und wir hatten den Radsport ebenfalls bei uns an der Schule als Disziplin vertreten. Der Frauenanteil war auch schon dort immer sehr gering. Ehrlich gesagt, habe ich mich damals auch nie weiter mit dem Thema beschäftigt.  Da ich nun selber seit einigen Jahren Triathlon als Sport betreibe, hat sich mein Bild jedoch gewandelt.

Immer mehr Frauen steigen aufs Rennrad – Der Fahrradmarkt wird weiblicher!

Für mich ist das Rennradfahren zwar ein Sport, bei dem der Männeranteil noch deutlich höher ist. Jedoch habe ich festgestellt, dass sich in diesem Bereich in den letzten Jahren so einiges getan hat. Tatsächlich sind immer mehr Frauen auf der Straße mit dem Rennrad zu sehen. Allein auf den Social-Media-Kanälen bekommt man deutlich mit, dass der Sport für immer mehr Frauen eine Rolle spielt. Sei es als Hobby-Radfahrerin für Wochenendtouren, leidenschaftliche Rennradfahrerinnen oder Triathletinnen.

Allein im Handel hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Damals war es eher schwierig, ein vernünftiges Radtrikot im Shop zu finden. Die Auswahl für die Herren war schon immer riesengroß und für die Frauen gab es immer nur kleinere Rubriken. Auch beim Kauf meines ersten Rennrades, kann ich mich nur schwer daran erinnern, dass es in den Läden ein großes Angebot an Damenrädern gab. Mittlerweile gibt es ja sogar spezifische Radmarken nur für Frauen. Die Rahmengrößen wurden ebenfalls angepasst. Auch viele Fahrradhersteller bieten nun eine Rubrik für Damenrennräder an. Es gibt auch extra Sattel und anderes Zubehör, das auf unsere Bedürfnisse angepasst ist. Natürlich ist die Auswahl für Herren noch immer deutlich größer, aber allein das Angebot zeigt doch, dass die Nachfrage auf jeden Fall gestiegen ist.

Frau fährt mit Rennrad entgegen Sonnuntergang

Frauen, die Männer beim Radfahren überholen

Ein weiterer Punkt, der zeigt, dass wir uns beim Rennradfahren nicht mehr verstecken müssen, sind die sogenannten Ausfahrten. Früher sind mir immer nur Radfahrgruppen hauptsächlich bestehend aus Männern entgegengekommen. Mittlerweile sieht man aber immer mehr Radgruppen, bei denen die Frauen genauso gut mithalten können. Meist verabredet man sich online oder durch einen Verein. Außerdem werden auch in diversen Städten immer mehr Radtouren ausschließlich für Frauen angeboten. Es gibt sogar spezifische Camps, die nur für weibliche Teilnehmerinnen gedacht sind, was die Gemeinschaft und den Spaß untereinander nochmal besonders fördert. Auch online gibt es auf der Plattform Zwift Events, bei denen es extra Frauenwertungen gibt und man auch ausschließlich mit Frauen fahren kann. Ich persönlich finde das Angebot absolut super, wenn man sich auf gleicher Ebene messen kann. Außerdem besteht ja immer die Möglichkeit auch im gemischten Feld mitzufahren.


Ein Beispiel: Triathlon-Rennen

Allerdings hat man es als Frau auch nicht immer ganz einfach auf dem Rad. Ich würde mich nicht als Rakete auf dem Rad bezeichnen, aber ich erlebe es doch immer wieder, dass man manchmal gegen das ein oder andere Ego eines Mannes ankämpfen muss. Ein erstes Beispiel dafür sind Triathlon-Rennen, bei denen man doch mal ein paar Männer überholt, weil sie langsamer fahren. Ist der Überholvorgang abgeschlossen, zieht dieser allerdings wieder an mir vorbei beziehungsweise tritt er in die Pedale, wenn ich erneut überholen möchte. Ich persönlich finde dies teilweise ziemlich anstrengend und einfach unnötig und habe auch schon von vielen anderen Frauen ähnliche Erlebnisse geschildert bekommen. Ein weiteres und mir persönlich unangenehmes Gefühl ist das Vorbeiziehen an einer Radgruppe. Zum Glück kommt das nicht oft vor, aber ab und an fahre ich an eine Gruppe heran. Ich weiß, wie blöd das Gefühl ist überholt zu werden, zumal die meisten Gruppen schon einige Kilometer mehr in den Beinen haben, aber ich kann danach noch gefühlte Meter lang das Getuschel darüber im Hintergrund hören.

Frau beim Zeitfahren

Es gibt mittlerweile so erfolgreiche Frauen im Radsport und auch im Triathlon-Sport. Ich finde, dass man sich als Frau auf dem Rad absolut nicht verstecken braucht. Es werden so viele Möglichkeiten angeboten, auch wenn man nicht die schnellste ist oder wenn man doch ambitionierter fährt. Ich persönlich finde, dass es das wichtigste ist, dass man Spaß am Sport hat. Wenn man dies dann noch mit männlichen Kollegen oder dem Partner teilen kann, ist es umso schöner. Natürlich werden die Männer uns körperlich immer überlegener sein, aber als Frau kann man in vielen Bereichen wirklich gut mithalten. Allein die weiblichen Anmeldungen bei Veranstaltungen zeigen, dass der Sport immer mehr an Bedeutung gewinnt und wir uns damit besser identifizieren können. Ich bin froh, dass ich ihn für mich entdeckt habe und kann es mir auch nicht mehr vorstellen, ohne ihn zu sein.

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