Interview mit Guido Tschugg

Als Profi auf dem E-Mountainbike

Guido Tschugg ist wohl einer der erfolgreichsten Mountainbiker, den Deutschland zu bieten hat. Das bedeutet aber nicht, dass er ausschließlich auf dem normalen Bike unterwegs ist. Ganz im Gegenteil – Guido setzt mittlerweile häufig auf die elektrische Unterstützung eines E-Mountainbikes beim Training und auch im Alltag. Wie Profisportler und E-Bikes zusammenpassen, wie er sein eigenes E-Bike einsetzt, und welche Vorteile er in E-Bikes sieht, hat Guido uns im Interview verraten.

Guido Tschugg fährt mit seinem Husqvarna E-Mountainbike
© Husqvarna Bicycles
Guido, warum fährst du E-Bike?

Die Antwort ist ganz einfach: Weil es mir enormen Spaß macht.

Hattest du anfangs Vorurteile gegenüber dem E-Bike-Fahren?

Nein, noch nie. Ich finde, man sollte es erst ausprobieren, anstatt schon im Voraus negativ zu urteilen.

„Das ist doch kein Sport mehr“ – was würdest du Skeptikern antworten?

Eigentlich ist es doch egal, ob es für einen Sport ist oder eher der Spaßfaktor, der für einen zählt. Jeder, der schon mal ein E-Bike gefahren ist, bemerkt schnell, dass es auch sportlich bewegt werden kann.

Braucht man bei elektrischer Kraft denn selbst noch eigene Kraft auf einem E-Bike?

Ein Pedelec unterstützt ja nur, wenn man in die Pedale tritt. Wenn man nicht tritt, hilft auch kein Motor. Und natürlich bedeutet das auch, dass man eigene Kraft aufbringen muss.

© Husqvarna Bicycles
Wie setzt du dein E-Bike ein?

Total vielfältig. Teilweise zum Trainieren oder zum Regenerieren, z.B. nach einer harten Motocross-Trainingseinheit. Im Alltag ganz gemütlich zum Semmel holen beim Bäcker, mit der Familie im Urlaub oder auch um eine Tour zu fahren mit Freunden (die teilweise auch ohne E-Bike unterwegs sind).

Wie sehen die Trainingsmöglichkeiten auf dem E-Bike aus?

Ein E-Bike ist um einiges flexibler als ein normales Bike zum Trainieren. Über die Motorstufen kann ich besser in meinem Pulsbereich fahren,
egal ob ich Grundlagen oder Ausdauer trainiere, Intervalle fahre oder mich regeneriere. Sogar für gehandicapte Personen ist das E-Bike ein perfekter Partner.

Gibt es in der Fahrtechnik einen Unterschied zwischen E-Mountainbike und normalem Mountainbike?

Ja, auf alle Fälle. Man muss sich natürlich an das Mehrgewicht gewöhnen, und auch beim Klettern ist es wichtig, dass man seine Motorstufen nutzt.

Wo kommt dein E-Bike am meisten zum Einsatz im Alltag?

Bei Foto- und Filmaufnahmen und natürlich einfach um Spaß zu haben.

Was sind die Vorteile im Alltag?

Man fährt auch mal, wenn man nicht in absoluter Top-Form ist. Und man braucht auch keine Bedenken zu haben, in der Gruppe konditionell nicht hinterher zu kommen, denn auf den Ebenen ist man einfach immer einen Tick flotter unterwegs.

Eignet sich das E-Bike deiner Meinung nach auch für Familienausflüge?

Bestens, da durch die Motorstufen alle unterschiedlichen Fitnessdefizite ausgeglichen werden.

© Husqvarna Bicycles
Wie „natürlich“ ist das Fahrgefühl eines E-Mountainbikes im Vergleich zu einem normalen Mountainbike?

Es fühlt sich einfach unnormal gut und natürlich an. Wie ein normales Mountainbike eben, mit der Ausnahme, dass zum Beispiel auch schwierige Anstiege im Bereich des Machbaren sind.

Welchen Einfluss haben E-Mountainbikes deiner Meinung nach auf den Mountainbike-Sport?

Im Moment ist es noch schwierig im Rennbereich, da noch kein wirklich reifes Format entstanden ist. Für mich wird es das normale Mountainbike schon sehr in die Unterzahl drücken, da ich mit dem E-Bike vielseitiger bin.

Worauf sollte man deiner Meinung nach beim Kauf eines E-Mountainbikes achten?

Ich würde auf alle Fälle eine Testfahrt machen und einen Händler in der Nähe aufsuchen. Da die Entwicklung schnell voran geht, würde ich auch ein aktuelles Modell mit der neuesten Ausstattung kaufen.

Hat sich deine Trail-Auswahl durch das E-Bike verändert?

Ja, denn auch Trails auf der Ebene machen viel mehr Spaß, gleichzeitig kann aber auch selbst das Hochfahren eine Challenge sein.

Wem würdest du dein E-Bike empfehlen?

Einfach jedem. Es gibt für E-Bikes keine spezielle Zielgruppe, das macht sie so unglaublich variabel.

Gibt es einen Unterschied bei E-Mountainbike-Rennen im Vergleich zu „normalen“ Rennen?

Das ideale Rennformat für E-Bikes gibt es meiner Meinung nach noch nicht. Im Moment werden die bestehenden Rennformate einfach für E-Bike-Rennen übernommen, das funktioniert nicht.

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