Bikerfrühstück

Uih, das ist aber nett!

 Du strampelst wie jeden Morgen den Neckarradweg entlang der Hofener Straße, da steht plötzlich ein blaues Paul-Lange-Zelt auf dem Radweg und ein Typ winkt wie wild. Was ist denn da los?

Ganz einfach, Benny und ich, beide im Marketing bei Paul Lange & Co. tätig, boten den Fahrradpendlern ein kostenloses „Biker-Frühstück“ an. Rührei mit Speck gab es nicht, dafür Kaffee, fünf Sorten Tee, Brezeln und einen leckeren Apfel. Warum das? Einfach so! Es sollte ein Dankeschön an die Radler sein, die jeden Morgen in Sichtweite unseres Büros zur Arbeit pendeln. Und das waren nicht wenige. Wir beide hatten gut zu tun, die komplett überraschten Pendler zu versorgen, uns mit ihnen über ihre Situation als Fahrradpendler in Stuttgart zu unterhalten, gleichzeitig Neuankömmlinge aus beiden Richtungen „abzufangen“ und dabei noch mit klammen Fingern und halb eingefrorenem Kuli ein paar Gesprächsnotizen zu machen …

„I hann‘ koi Zeid, i muass schaffa!

Kurz nach sieben Uhr schleppten wir Zelt, Tisch und alles andere an die Stelle, an der der Radweg etwas breiter und das Zelt gut einsehbar war – um 7.30 Uhr standen wir „Gewehr bei Fuß“. Kommt da überhaupt jemand? Halten die an? Es sind Herbstferien und dann der Temperatursturz! Zweifel waren im Vorfeld angebracht, aber egal, das ziehen wir jetzt durch. Um das Fazit vorweg zu nehmen – Spaß hat’s gemacht und die Radfahrer fanden die Aktion richtig toll. Also die, die sich die Zeit nahmen und nicht mit 20 km/h durchs Zelt sausten mit dem kurzen Hinweis: „I hann‘ koi Zeid, i muass schaffa! Es gab eine erstaunliche Breite an Kommentaren zum Radfahren in Stuttgart. Hier eine absolut nicht repräsentative Auswahl:

  • Umsteiger: Ich bin vor zwei Jahren vom Auto umgestiegen und genieße die Freiheit und Unabhängigkeit (20 km einfach!).
  • Winter: Jaaaa, im Sommer kann jeder!

Wäre gut, wenn mehr Radwege geräumt würden.

Erstaunlich, wie wenig man anziehen muss, um trotzdem warm unterwegs zu sein. 

  • Alltag: Weil es am billigsten ist und morgens am schnellsten.

Tut rundum gut.

Für die Gesundheit (S-West -> Fellbach 15 Km einfach).    

  • Bauen: Es ist verwaltungstechnisch einfacher eine Autogarage zu bauen als eine Fahrradgarage (Stuttgarter Hotelbesitzer).
  • Licht: Immer mit Licht. Wahnsinn, wer ohne fährt.Die Blender nerven immer häufiger.
  • Community: Verrückt, wie manche Radler am Leuze durchrasen, die spinnen doch! (Anmerkung des Autors: finde ich auch)
  • Das nächste Fahrrad: Ein Tandem.
    E-Biker, zweite Generation (27.000 km auf dem Tacho): ein noch besseres E-bike.  
  • Vorankommen: Die vielen Ampeln nerven – Flow ist ‘was anderes.
  • Radwege: Ich verstehe nicht, warum der Radweg im Schlossgarten entlang des Schlangenwegs und nicht auf der Platanenallee geführt wird? (Anmerkung des Autors: Ich auch nicht!)

Fangen irgendwo an und hören irgendwo auf, sind meistens zu schmal.

Über den Charlottenplatz zu fahren ist der Horror.

 

Soweit das kleine Kaleidoskop an Meinungen zum Radfahren in Stuttgart, das wir von etwa 25 bis 30 Radfahrern erhalten haben. Als angenehmen Nebeneffekt des Radstopps konnten die Teilnehmer für das Bürgerbegehren für ein fahrradfreundliches Stuttgart, den sogenannten Radentscheid, unterschreiben. Ein Angebot, das sehr gern angenommen wurde. Auffällig waren die miserablen Schuhe, meist Sneaker oder Joggingschuhe, mit denen die meisten Radler bei Temperaturen um fünf Grad unterwegs waren. Dass es gute und warme Winterradschuhe gibt, scheint sich noch nicht so rumgesprochen zu haben. Erstaunlich (oder nicht?) waren die vielen Frauen, die unterwegs waren. Eine Frau darauf angesprochen meinte: „Klar, wir Frauen sind zäher, wir halten das auch im Winter durch.“ Hmh, ich denke darüber nach.

4 Gedanken zu „Bikerfrühstück“

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